Gegen soziale Kälte und für die Soziale Stadt: Der Hattersheimer Strickmob. Foto: Stadt Hattersheim am Main/Öffentlichkeitsarbeit

 

Eine schöne Idee aus dem hessischen Hattersheim: Der “Strickmob” soll helfen, das Stadtteilbüro und das Programm über das Jahr 2012 hinaus zu sichern. Jede/r kann mitmachen!

Am 9.2.2012 stellten Bürgermeisterin Antje Köster und Heike Bülter vom Stadtteilbüro der Caritas Main-Taunus mit Strickzeug in der Hand ihre Initiative vor. Wem das Stadtteilbüro am Herzen liegt, der oder die strickt, was das Zeug hält, lautet die Aufforderung. Zeit zum Stricken bleibt bis zum 16. März. Dann wird aus den Einzelteilen ein langer, wärmender Schal zusammengefügt, der als sichtbares Zeichen des Zusammenhalts die Fassade eines Stadtteiltreffs umschlingen wird. Der „Strickmob“ endet in einer Diskussionsveranstaltung mit Rahmenprogramm.

“Die Zukunft des Stadtteilbüros und der Sozialen Stadt Hattersheim hängt am seidenen Faden. Landesregierung und Bundesregierung wollen uns fallen lassen. Die Gemeinwesenarbeit soll nicht weiter gefördert werden. Aber wenn das soziale Netz dünner wird, müssen wir erst recht feste stricken, damit niemand durch die Maschen fällt!”, so die Bürgermeisterin.

Damit niemand durch die Maschen fällt. Foto: Stadt Hattersheim am Main/Öffentlichkeitsarbeit

Im Mai 2011 hatte sich Hattersheim mit zahlreichen anderen hessischen Kommunen sowie den freien Wohlfahrtsverbänden zum „Bündnis für eine Soziale Stadt“ zusammengeschlossen. Denn im Bundesetat 2012 stehen für das Programm – und zwar ausschließlich für Bauinvestitionen – nur noch 40 statt zuvor 95 Millionen Euro zur Verfügung.

„Das heißt für Kommunen wie Hattersheim, deren Programmlaufzeit beendet ist, gäbe es keine Möglichkeit der Anschlussförderungen. Wir würden also durch die Maschen des Förderprogramms fallen und könnten unser Erfolgsprojekt mit den Menschen aus der Hattersheimer Siedlung nicht fortsetzen“, erklärt Bürgermeisterin Köster. „Nicht nur durch Appelle sondern gerade durch Aktionen wie diese müssen wir die Entscheidungsträger in der Landes- und Bundespolitik von der Bedeutung der nachhaltigen Förderung von Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf überzeugen.“

Mitmach-Infos gibt es hier und auf der Webseite der Sozialen Stadt Hattersheim.

Anne Wispler /PM Hattersheim

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Auf dem Kongress des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung am 13.12.2011 ging es um die „Integration von Menschen mit Migrationshintergrund“ und die Rolle der Stadtentwicklungspolitik dabei. Mal abgesehen davon, wer sich eigentlich wo integrieren sollte, war damit das eigentliche Problem auf dem Tisch: „Wie geht es weiter mit der Integration im Stadtteil, wenn gerade die Integrationsprojekte weggekürzt werden?“

Mit den Haushaltsbeschlüssen des Bundestages wurden trotz zahlreicher Proteste nicht nur die Mittel stark gekürzt, sondern vor allem Integrations- und Bildungsprojekte wurden auf Betreiben der Bundesregierung aus dem Programm „Soziale Stadt“ genommen. Gleichzeitig schmückt man sich aber gerne mit den tollen Erfolgen und Maßnahmen, mit den „Stadtteilmüttern“ beispielsweise, die als Leuchtturm der Integration durch alle Medien geistern.

Hört auf mit Integration!

Schon der enge Integrationsbegriff brachte einige der Kongressbesucher/innen auf die Palme (= Pflanze mit Migrationshintergrund). Sie arbeiten seit Jahren gut qualifiziert in multikulturellen Teams und sind es leid, auf die Herkunft ihrer Eltern reduziert werden. Die Praktiker/innen vor Ort bekommen beim Wort „Integration“ Zustände. Es klingt wie die Hintergrundmusik zu Sarrazins Thesen und zu all den Klischees, denen die meist hier geborenen Gastarbeiterkinder zu entfliehen suchen. Muss man über die türkische Küche fachsimplen können, nur weil man einen türkischen Nachnamen hat? Wie fühlt es sich an, wenn man weiß, dass man der/die Alibi-Migrant/in im Team ist, damit nach außen Interkulturalität demonstriert werden kann?

Teilhabe statt „Integration“

Zugegeben, es gibt sie noch, die Integrationsprobleme. Das Ankommen in der neuen Heimat hat auch damit zu tun, ob man hier sein und mitspielen will. Und ob man sich willkommen und respektiert fühlt. Dennoch: Die Linie verläuft mittlerweile doch mehr zwischen Arm und Reich, den Gebildeten und den so genannten „Bildungsfernen“ (auch so ein schönes Wort), der letzte OECD-Bericht bescheinigt Deutschland das weitere Auseinanderdriften von Gutverdienern und armen Schluckern.

Wenn im Zusammenhang von Stadtentwicklung von „Integration“ gesprochen wird, geht es nicht um die Zugewanderten, die sich in kurzer Zeit das aneignen können, was sie brauchen, um in der neuen Umgebung zu gedeihen und ihren Platz zu finden. Solche Neuzugänge werden als Bereicherung empfunden. Die anderen, um die es hier geht, werden dorthin gespült, wo schon die anderen Verlierer sind: In das heruntergekommene Viertel und in den Hartz-IV-Bezug.

Prof. Dr. Roland Roth von der Hochschule Magdeburg/Stendal brachte es in der Diskussion auf den Punkt: Es braucht Strategien und Taten statt Bekenntnisse. Und es braucht echte Teilhabe vor Ort, im Stadtteil, bei den Projekten. Schon länger sorgt sich Roth um die Zukunft unserer Demokratie, denn bürgerschaftliches Engagement setzt voraus, dass man eingebunden und geschätzt wird. Experten wie Roth warnen deshalb: Wo die Bürgerschaft, der Mittelstand, auch die Gebildeten weniger werden, ist letztendlich auch die Demokratie gefährdet.

Bildung ist der Schlüssel

Neben einer ernst gemeinten Teilhabe wird Bildung von den Fachleuten allgemein als Schlüssel der Integration erkannt. Ulrich Ernst, Dezernent für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Sport, berichtete aus Mülheim. Die Stadt im Ruhrpott hat einerseits eine relativ hohe Beschäftigung, gebildete Einwohner/innen und attraktive Wohnlagen. Dagegen konzentrieren sich die klassischen Probleme in einigen innerstädtischen Quartieren. Bei einer Untersuchung kam jetzt heraus, dass es sich lohnt, z.B. die Erfolge jeder Kita genauer zu analysieren. Optimale frühkindliche Bildung scheint sehr stark von der Qualität der einzelnen Einrichtung abzuhängen. Aus den Erkenntnissen müssen dann natürlich auch konkrete Vorgaben entwickelt werden.

Neben Bildung wurde, wie zu erwarten, auch immer wieder eine bessere Kooperation der Fachverwaltungen gefordert, die immer noch zu wenig sozialräumlich ausgerichtet seien. Damit einhergehen sollte natürlich auch eine optimierte Bündelung von Mitteln zugunsten der betroffenen Stadtteile.

Ausblick

Die Vertreterin des Ministeriums, Oda Scheibelhuber, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, hielt das Schlusswort: „Wir haben Ihnen aufmerksam zugehört und die guten Beispiele mit großem Respekt zur Kenntnis genommen.“ Ihre Mitarbeiter/innen seien nicht für die Kürzungen gewesen. Die Beschneidung des Programms sei vielmehr auf „Vorbehalte in Teilen des Parlaments“ zurück zu führen, formulierte sie vorsichtig.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Bedrohungen von rechts und der demografischen Entwicklung, so Scheibelhuber, sei es geradezu eine „patriotische Pflicht“, die Integration im Stadtteil und überall zu fördern.

Auch ermutigte sie die Anwesenden, sich unbedingt weiter für die „Soziale Stadt“ stark zu machen. Der politische Druck von unten habe bereits gewirkt und Schlimmeres verhindert.

Angesichts des Scherbenhaufens, den die Sparpolitik zu Lasten der Integrationsprojekte angerichtet hat, möchte man das gerne hoffen.

Noch etwas zum wunderschönen Ambiente des Kongresses im Heimathafen Neukölln. Als ich im Sommer zum letzten Mal hier war, erschien Thilo Sarrazin mit Freunden zu einer Vorstellung von „Arab Queen“. Das nenne ich integriert!

Anne Wispler

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Im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung,  Gesprächskreis Migration und Integration, hat Thomas Franke (Deutsches Institut für Urbanistik) im November 2011 eine Expertise zu den Auswirkungen der Mittelkürzungen und Umstrukturierungen beim Programm Soziale Stadt erstellt.
Über die Internetseiten der Friedrich-Ebert-Stiftung können Sie das Fachgutachten herunterladen (PDF 645 kb) – hier ein Auszug aus der Einführung zur Studie:

„Für das Haushaltsjahr 2011 wurden die Bundesmittel im Bund-Länder-Programm ‘Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Soziale Stadt’ von zuvor rund 95 Millionen Euro auf nunmehr knapp 29 Millionen Euro reduziert. Außerdem können aus dem Programm keine Modellvorhaben im sozial-integrativen Bereich mehr finanziert werden; diese Möglichkeit bestand ab dem Programmjahr 2006 und wurde durch eine Aufstockung der Bundesmittel ermöglicht. Förderfähig waren Maßnahmen und Projekte in Gebieten der Sozialen Stadt in den Bereichen Spracherwerb, Verbesserung von Schul- und Bildungsabschlüssen, Betreuung von Jugendlichen in der Freizeit, Lokale Ökonomie. Die Programmmittel sollen nur noch für baulich-investive Maßnahmen und Projekte eingesetzt werden; eine Umverteilung von Mitteln aus anderen Städtebauförderungsprogrammen zugunsten der Sozialen Stadt ist nicht mehr möglich.
Vor dem Hintergrund dieser Kürzungen beauftragte das Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung das Deutsche Institut für Urbanistik mit der Erstellung des vorliegenden Fachgutachtens zu den Auswirkungen der Kürzungen im Programm. [...]

Für die zusammenfassende analytische Darstellung von Programmgrundlagen und -entwicklungen (Kapitel 1 und 2) wurde das umfangreiche Datenmaterial der beim Difu angesiedelten Bundestransferstelle Soziale Stadt genutzt (Dokumentenanalyse).
Einschätzungen zu den Auswirkungen der Mittelkürzungen (Kapitel 3 und 4) sowie die exemplarische Darstellung von Möglichkeiten des Umgangs mit den veränderten Rahmenbedingungen (Kapitel 5) basieren auf den Ergebnissen von leitfadengestützten, telefonisch durchgeführten Experteninterviews. Befragt wurden Programmverantwortliche aus fünf Bundesländern (Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein- Westfalen, Saarland) und elf Kommunen (Gelsenkirchen, Flensburg, Greifswald, Hamm, Hannover, Leipzig, Mannheim, Marburg, Mainz, Nürnberg, Saarbrücken). An den Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der Landesebene waren im Falle Bayerns und Berlins je zwei Interviewpartner beteiligt. Aus der Reihe der in die Untersuchung einbezogenen Kommunen sticht Flensburg heraus; hier wurden die Interviewfragen schriftlich von dem im Programmgebiet tätigen Sanierungsträger beantwortet (siehe Liste der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner sowie Interviewleitfäden im Anhang). Ergänzend wurden Gespräche mit Verantwortlichen für drei Projekte aus dem sozial-integrativen Bereich geführt.
Dabei liegt es auf der Hand, die Interviewergebnisse allein aufgrund der vergleichsweise geringen Anzahl von Gesprächen nicht als repräsentative Aussagen, sondern vielmehr als Trends betrachten zu müssen, die jedoch in ihrer Zusammenschau bei aller Ausschnitthaftigkeit ein vergleichsweise komplexes Bild der Programmsituation im Jahr 2011 zeichnen. Die zentralen Ergebnisse der Interviews und der Dokumentenanalyse fließen in eine zusammenfassende Betrachtung des Status Quo der Sozialen Stadt ein (Kapitel 6), und in Kapitel 7 werden schließlich Handlungsempfehlungen für eine künftige integrierte Entwicklung benachteiligter Stadtteile formuliert.“

(text/grafik: „Auswirkungen der Mittelkürzungen im Programm Soziale Stadt: Sind die Entwicklung benachteiligter Stadtteile und lokale Integrationsprozesse gefährdet?“ – Expertise von Thomas Franke im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung,  Gesprächskreis Migration und Integration, Bonn, 2011, WISO-Diskurs)

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Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung lädt am 13.12.2011 zum

Fachkongress
„Integration vor Ort – Eine Herausforderung für die soziale Stadtentwicklungspolitik“

nach Berlin ein.

Die Integration der rund 16 Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund ist eine sich täglich neu stellende Herausforderung, die sich vor allem vor Ort, in den Städten, Kreisen und Gemeinden widerspiegelt. In Großstädten haben schon heute im knapp 30 % der Menschen einen Migrationshintergrund. Aber auch in kleineren Städten und Gemeinden gewinnt Integration an Bedeutung. Dort leben mehr als die Hälfte der Personen mit Migrationshintergrund, auch wenn der Anteil an der Bevölkerung dort geringer ist. Die Integration von Zuwanderern ist daher eine zentrale Aufgabe einer sozialen Stadtentwicklungspolitik. Dass den Kommunen eine besondere Bedeutung für die Integration zukommt, hat bereits der Nationale Integrationsplan der Bundesregierung betont. Eine erfolgreiche gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration aller Bewohnerinnen und Bewohner bleibt maßgeblich für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte und Gemeinden.

Deshalb wird sich der Fachkongress im Schwerpunkt mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Vor welche Herausforderung werden Städte und Gemeinden durch Integrationserfordernisse gestellt?
  • Welche aktuellen Strategien gibt es, um diese Herausforderungen zu meistern? Welche Rolle übernimmt die Stadtentwicklung? Welche Akteure sind gefragt?
  • Was kann in diesem Zusammenhang die lokale Ebene für die Integration von Zuwanderern leisten?
  • Welche Bedeutung haben stadt- bzw. ortsteilbezogene Strategien für eine erfolgreiche Integration?
  • Wie gelingt Integration vor Ort? Wie kann sie weiter befördert werden?

Dazu werden Praxisbeispiele aus der Arbeit der Kommunen präsentiert.
Neben Praktikern der kommunalen Ebene sind auch Vertreterinnen und Vertreter der Bundes-, Landes- und Landkreisebene sowie aus der Wissenschaft und Publizistik als Referentinnen und Referenten vorgesehen.

Wann? Dienstag, 13. Dezember 2011, 10.30-17.00 Uhr
Wo? Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin

Bitte merken Sie sich diesen Termin bereits heute vor. Das detaillierte Veranstaltungsprogramm wird in Kürze verschickt und gleichzeitig auf www.sozialestadt.de/termine/termin_ansicht.php?id=3433 veröffentlicht.

(Quelle: sozialestadt.de)

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Am Donnerstag, 10. November 2011 fand die Bereinigungssitzung zum Entwurf des Bundeshaushaltsgesetzes 2012 im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages statt.

Die Ergebnisse für den Bereich Städtebauförderung/Schwerpunkt „Soziale Stadt“:

Das Gesamtbudget 2012 wird wie schon für das laufende Jahr auf 455 Millionen Euro festgelegt – eine leichte Steigerung im Vergleich zu den Regierungsentwurf 2012 vorgesehenen 410 Millionen Euro, aber immer noch sehr viel weniger als die 610 Millionen Euro, die es vor den drastischen Kürzungen noch im Jahr 2010 gegeben hatte.

Das Programm „Soziale Stadt“ wird zugunsten des neuen Programms „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“ abgewickelt. Dieses neue Programm mit dem schon für 2011 geltenden Schwerpunkt auf investive Verwendung der Mittel (gegenüber einer Projektförderung im sozialen Bereich) erhält eine Ausstattung von 40 Millionen Euro.

Die Entwicklung der Soziale-Stadt-Förderung im Überblick:

  • 2010: 105 Millionen Euro
  • 2011: 28,5 Millionen Euro
  • 2012: 40 Millionen Euro

Während alle anderen Programme aus dem Bereich der Städtebauförderung untereinander querfinanzieren dürfen, gilt das nicht (entgegen anders lautender Ankündigungen) für das Programm „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“.

Überblick über die weiteren Programmentwicklungen aus dem Bereich der Städtebauförderung:

  • Am stärksten wächst das Programm „Kleinere Städte und Gemeinden“ mit einer Steigerung von 35,2 auf 44,4 Millionen. „Aktive Zentren“ wird von 90 auf 93,2 Millionen Euro erhöht.
  • Nahezu gleich bleiben die Mittel für den Denkmalschutz.
  • Leicht gekürzt wird der „Stadtumbau Ost“ von 83 auf 82,1 Millionen, stärker trifft es den „Stadtumbau West“ (71 statt zuvor 75,2 Millionen).
  • Die „Sanierung und Entwicklung“ wird in Ost und West abgewickelt – beide Programme erhalten statt 25,2 nur noch 16 Millionen Euro.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie beispielsweise im „Factsheet Städtebauförderung“ von Bettina Herlitzius und Daniela Wagner (beide MdB, Bündnis 90/Die Grünen) oder in der Pressemitteilung „Haushaltsbeschlüsse von Schwarz-Gelb gefährden die Soziale Stadt“ von Sören Bartol (MdB, SPD).

- Mehr dazu, wie Berlin als Bundesland in Sachen “Soziale Stadt” und “Städtebauförderung” vorgehen wird, erfahren Sie in der Koalitionsvereinbarung 2011-2016.

text: wolk

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Die Koalitionsvereinbarung 2011-2016 der rot-schwarzen Berliner Regierung steht. Unter den Überschriften „Soziale Stadt, stabile Kieze“, „Quartiersmanagement und Aktionsräume plus“ und „Städtebauförderung“ finden sich die Aussagen, die auch die zukünftige Quartiersmanagement-Arbeit betreffen. Hier die entsprechenden Abschnitte im Wortlaut:

Soziale Stadt, stabile Kieze

Die Koalition setzt auf die Sicherung des sozialen Zusammenhalts der Stadtteile als zentrale Aufgabe einer übergreifenden, integrierten Stadtentwicklungspolitik. Zivilgesellschaftliches Engagement, partizipative Strategien und ein integrales Handeln der unterschiedlichen Fachpolitiken und Verwaltungsebenen bilden dabei die Grundlagen für eine solidarische Zukunftsperspektive Berlins. Mit der Sozialraumorientierung richten wir den Blick auf die Entwicklung der Quartiere und Stadtteile.

Dem Programm „Soziale Stadt“ kommt weiterhin eine wichtige Bedeutung zu. Aufgrund begrenzter finanzieller Mittel wollen wir die Maßnahmen noch stärker nach Prioritäten gewichten und durch eine klare Schwerpunktsetzung deren Effizienz einer besseren Überprüfung unterziehen. Unser Ansatz ist ergebnisorientiertes Handeln auf der Grundlage klarer, überprüfbarer Zielvorgaben. Die Rolle und Verantwortung der Bezirke bei der Verwendung der Mittel ist zu stärken.

Die Koalition wird sich dafür einsetzen, dass die für die Aufgaben der sozialen Stadtentwicklung erforderlichen finanziellen Landes-, Bundes- und EU-Mittel im bisherigen Umfang bereitgestellt und auf die benachteiligten Quartiere der Stadt konzentriert werden.

Quartiersmanagement und „Aktionsräume plus“

Das Berliner Quartiersmanagement hat sich als lokale Strukturanpassungsstrategie bewährt. Wir werden Gebiete mit prekären Nachbarschaften weiter stabilisieren und Quartiere, die sich konsolidiert haben, in die Regelbetreuung kommunaler Daseinsvorsorge überführen. Für die Überleitung wird ein Verfahren entwickelt, das den Quartieren einen verlässlichen Rahmen bietet.

Wir werden auch unter veränderten Finanzierungsbedingungen der Städtebauförderung das Berliner Quartiersmanagement im bisherigen Umfang und der bisherigen finanziellen Ausstattung fortführen und entsprechende Landesmittel bereitstellen.

In den fünf „Aktionsräumen plus“, in denen ein Viertel der Berliner Bevölkerung lebt, sind die Entwicklungs- und Bildungschancen im gesamtstädtischen Vergleich nur unterdurchschnittlich. Wir werden die entsprechenden finanziellen Ressourcen Berlins in den „Aktionsräumen plus“ bündeln.

Durch eine stärkere Vernetzung von Bezirk und Senat sollen fachübergreifende Ansätze zur Verbesserung der Bildungschancen und Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger vorangebracht werden. Förderprogramme werden besser vernetzt und neue Partner eingebunden.

Städtebauförderung

Wir werden uns beim Bund dafür einsetzen, dass die Programme zur Städtebauförderung wieder auf das Niveau des Programmjahres 2010 aufgestockt werden. Bei der inhaltlichen Ausrichtung geht es um die Stärkung der Quartiere und Zentren als attraktive Wohn- und Arbeitsorte (Programme „Sanierung“ und „Aktive Zentren“), die Anpassung der Quartiere an demografische und wirtschaftsstrukturelle Veränderungen (Programm „Stadtumbau“), Fragen der sozialen Stadtentwicklung (Programm „Soziale Stadt“) sowie die Bewahrung und Entwicklung des baukulturellen Erbes (Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“) und die Qualifizierung des Wohnungsbestands.

Sollte dies nicht möglich sein, werden wir uns dafür einsetzen, dass die fehlenden Mittel durch die Bündelung der Programme anderer Ministerien und/oder durch ein Ergänzungsprogramm des Landes Berlin zur Verfügung gestellt werden.”

(Quelle: Koalitionsvereinbarung 2011-2016)

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Zum Tod von Hartmut Häussermann

Von Redaktion | Abgelegt unter Allgemein

Es war eine der vielen Debatten zum Thema Gentrifizierung in Prenzlauer Berg. Auf dem Podium: Vertreter aus Politik, Bewohnern, Wissenschaft, Sanierungsbeauftragten, Mieterberatung. Hartmut Häussermann, selbst seit längerer Zeit am Kollwitzplatz wohnend, entzieht sich der vorschnellen Vereinnahmung:

Hartmut Häussermann. Foto: Hertie-Stiftung

Er verwende den Begriff Gentrification nicht mehr gern, er sei zum politischen Kampfbegriff geworden. Dann aber erläutert er mit wissenschaftlicher Präzision die sozialen Veränderungsprozesse in Prenzlauer Berg und Berlin, ihre Ursachen und Perspektiven. So bleibt er in Erinnerung: Unaufgeregt, präzise und gleichzeitig leidenschaftlich in der Sache und beim Thema: Den Perspektiven einer sozialen Stadtentwicklung.
Hartmut Häussermann prägt über Jahrzehnte die Entwicklung des Fachs Stadtsoziologie. Dabei ging es ihm nie um akademische Debatten um ihrer selbst willen; er mischte sich stets auch persönlich ein, streitbar und nüchtern zugleich. Auch Kontrahenten gaben zu: Diskussionen mit Hartmut Häussermann waren immer ein Gewinn – neue Erkenntnisse und Infragestellen alter Gewissheiten eingeschlossen.
Seit dem Fall der Mauer galt der Entwicklung Berlins sein besonderes Interesse, das sich in zahlreichen Büchern, Aufsätzen, Forschungsprojekten und öffentlichen Auftritten äußerte.
Der “Sozialen Stadt” und dem Quartiersmanagement in Berlin stand er besonders nahe: Er begleitete die Einführung des Quartiersmanagements als Gutachter und zeichnete für das regelmäßige Monitoring zur “Sozialen Stadt” verantwortlich. Als ein Ergebnis dieses Monitorings schlug er die Bildung von „Aktionsräumen“ vor, in denen gebietsübergreifend insbesondere das das Thema Bildung als Schlüsselthema im Vordergrund stehen sollte. Die Einrichtung von Aktionsräumen+ durch den Berliner Senat ist ein Schritt in diese Richtung.
Hartmut Häussermann starb am 31. Oktober nach schwerer Krankheit. Wir werden ihn sehr vermissen.

Theo Winters für den Arbeitskreis der Berliner Quartiersmanagementbauftragten (AKQ)

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Am 23. Oktober 2011 wurde im Bundestag das faktische Aus des erfolgreichen Bund-Länder-Programms “Soziale Stadt” beschlossen. So werden die Mittel des Bundes von 95 Millionen Euro auf 28,5 Millionen Euro um 70 Prozent zurückgefahren. Am 10.11. soll im Haushaltsausschuss auf einer sog. Bereinigungssitzung über die Zukunft des Programms “Soziale Stadt” und der Städtebauförderung insgesamt entschieden werden. (Zum Haushaltsausschuss)

Wie können wir Bürger uns einbringen?

Finanzkrise, Rettungsschirm, Sparpaket oder Nebeneinkünfte sind Stichwörter, die die Bürger verunsichern. Was sagen die gewählten Vertreter/innen im Berliner Abgeordnetenhaus und im Bundestag dazu? Und wie setzen sie sich konkret für uns ein? Für mehr Offenheit sorgt die politisch unabhängige Internetplattform www.abgeordnetenwatch.de.

Online können Fragen gestellt werden, die die Abgeordneten (oder deren Mitarbeiter/-innen) dann online beantworten. Das ist öffentlich einsehbar; und auch wer selbst keine Fragen stellt, kann nachlesen, wie ernst ein Politiker die Bürgeranfragen nimmt, ob er sie abwimmelt oder sachgerecht beantwortet.

Beispiel Haushaltsdebatte zum QM-Programm “Soziale Stadt”

Ein Beispiel: Unter http://www.abgeordnetenwatch.de/haushalt-970-583.html finden Sie alle Mitglieder des Haushaltsauschusses im Bundestag. Dieser befasst sich derzeit mit den Kürzungen beim Quartiermanagement-Programm „Soziale Stadt“. Sie hätten also die Möglichkeit, hier direkt Ihre Fragen zu stellen oder zu sehen, ob und wie die Abgeordneten auf Fragen anderer reagiert haben. Sie können auch direkt zu einem Thema recherchieren und in der Suchmaske oben rechts z.B. „Städtebau“ oder „Grillverbot“ eingeben.

Dieser öffentliche Dialog schafft Transparenz und sorgt für mehr Verbindlichkeit in den Aussagen der Politiker. Denn alles ist auch Jahre später noch nachlesbar. Daneben sehen Sie auf abgeordnetenwatch.de das Abstimmungsverhalten der einzelnen Abgeordneten und ihre Nebentätigkeiten, was schon so manchen Spitzenpolitiker in Erklärungsnöte brachte.

Wie stelle ich Fragen auf abgeordnetenwatch.de?

Alle Abgeordneten des Bundestages, der Landtage und des EU-Parlaments verfügen auf abgeordnetenwatch.de über eine Profilseite, in deren unteren Teil sich ein Frageformular befindet. Darüber können Sie Ihre Frage an die oder den Abgeordneten eingeben.

So kommen Sie zu den Profilseiten zu gelangen:

1: Über das Postleitzahleneingabefeld auf der Startseite Postleitzahl eingeben: Sie gelangen zu allen Abgeordneten in Ihrem Wahlkreis. Von dort können Sie sich direkt in die Profilseiten der Abgeordneten klicken und über das Frageformular eine Frage stellen.
2: Über das Suchfeld oben rechts auf der Seite geben Sie den Namen eines Abgeordneten ein und gelangen so zu seiner Profilseite.

Alle Fragen und Antworten werden von einem Moderationsteam gegengelesen und freigeschaltet, soweit sie nicht gegen gewisse Regeln verstoßen. So werden natürlich keine Beiträge mit Beleidigungen und menschenverachtenden Formulierungen oder Fragen zum Privatleben zugelassen. Und Fragesteller/innen müssen ihren vollständigen Vor- und Nachnamen sowie eine gültige E-Mail-Adresse angeben. Auch Beiträge, die keiner Frage oder Aufforderung zur Stellungnahme entsprechen, sondern nur eine Meinungsäußerung darstellen, sind tabu.

Inwiefern ist abgeordnetenwatch.de politisch neutral?

Die Überparteilichkeit wird von einem Kuratorium überwacht. Beim Träger Parlamentwatch e.V. treffen sich politisch Interessierte aus allen Spektren, die ein gemeinsames Anliegen haben: Möglichkeiten für Bürgerbeteiligung und Transparenz in der Politik zu fördern.

Können die Abgeordneten sich von abgeordnetenwatch.de ‘abmelden’?

Nein. Die Abgeordneten als Vertreter des öffentlichen Interesses können öffentlich befragt werden. Ob und wie sie die Fragen beantworten, steht ihnen frei. Von den Bundestagsabgeordneten und den deutschen EU-Parlamentariern haben sich bis zu den Wahlen 2009 gut 90 Prozent auf den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern eingelassen.

Aber nur, wenn die Bürgerinnen und Bürger sich auch aktiv beteiligen, kann sich z.B. über solche Internetprojekte wie Abgeordnetenwatch mehr Transparenz und damit auch mehr Demokratie entwickeln.

Anne Wispler

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Auf der SPD-Konferenz zu „40 Jahren Städtebauförderung – Rettet die Soziale Stadt“ gab es kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung sich zwar mit den Erfolgen des Programms „Soziale Stadt“ schmückt, es aber gleichzeitig so kürzt, dass es dem Namen nicht mehr gerecht werden kann.

steinmeier

Frank-Walter Steinmeier fordert den Erhalt der "Sozialen Stadt".

Zur Konferenz „40 Jahre Städtebauförderung – Rettet die Soziale Stadt“ hatte die SPD-Bundestagsfraktion in den obersten Stock des Reichstagsgebäudes eingeladen. Im Kern ging es um die Kritik an den Kürzungen der Bundesregierung im Bereich Städtebau, und insbesondere beim Erfolgsprogramm „Soziale Stadt“. In den nächsten Tagen und Wochen wird der Haushalt beraten und damit vielleicht das faktische Ende dieses seit 1999 laufenden Förderprogramms besiegelt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende, Dr. Frank-Walter Steinmeier, fragte zur Begrüßung „Wie sähen unsere Städte eigentlich aus ohne die bisherige Förderung?“. Die jetzige Bundesregierung habe gar nicht verstanden, um was es ginge, denn Städtebau sei eine soziale Aufgabe. Sein Vorwurf: „Kreativität, Engagement und Hoffnung werden zerstört. Zerstört werden Netzwerke auf der lokalen Ebene. Wenn sie einmal kaputt sind, dann entstehen die so und an dem Ort, mit denselben Menschen nie wieder.“

Florian Pronold ist als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion verwies auf viele erfolgreiche Projekte in seiner bayrischen Heimat und kritisierte besonders, dass innerhalb der Städtebauförderung in Zukunft keine Mittel Richtung „Soziale Stadt“ umgeleitet oder für soziokulturelle Maßnahmen ausgegeben werden dürfen. Dabei habe das Bauministerium selbst eine Studie erstellen lassen, die zeige, dass jeder in die „Soziale Stadt“ investierte Euro sieben weitere Euro an Investitionen nach sich ziehe, also unter dem Strich sehr wirkungsvoll sei.

Tissy Bruns vom Tagesspiegel moderierte die anschließende Podiumsdiskussion. Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund beklagte fehlende billige Wohnungen in den Ballungsräumen. Drastisch steigende Neumieten und Energiekosten seien eine Belastung für die Menschen. Beim Städtebau gehe es auch um die nötige energetische Sanierung und altengerechten Wohnungsumbau. Diese Kosten dürften nicht allein auf den Mietern sitzen bleiben.

Sören Bartol, für die SPD im Bundestag und Sprecher der Arbeitsgruppe Verkehr, Bau und Stadtentwicklung empfindet die Sparbeschlüsse als Widerspruch. Auch die Bundesregierung feiere das Programm „Soziale Stadt“ als Erfolg. In ihrem Integrationsbericht würden gerade Soziale-Stadt-Projekte als besonders gute Beispiele für gelungene Integration genannt. Es sei eine „Masche“, das Programm erst stark zu kürzen, dann wieder auf 40 Millionen aufzustocken und unter dem neuen Namen “Soziale Stadt – Investitionen in das Quartier” zu verkaufen. Durch das Verbot von nicht-investiven Maßnahmen seien aber wachsende Probleme in den benachteiligten Stadtteilen vorprogrammiert.

Bartol: „Ich hoffe, dass es gelingt – mit Hilfe der Länder, der Kommunen und Ihrem Engagement vor Ort – die Strukturen in den Quartieren am Leben zu halten. Ich weiß, wie schwer das fällt, wenn der politische Rückhalt und das Geld fehlen. Aber ich hoffe, dass wir demnächst wieder mehr über die Fortentwicklung der Städtebauförderung reden können, statt sie gegen Einschnitte zu verteidigen.“

Marion Schmitz-Stadtfeld von den Nassauischen Heimstätten: "Dieses Programm ist in seiner Anlage unschlagbar."

Als Vertreterin eines hessichen kommunalen Wohnungsunternehmens hob Marion Schmitz-Stadtfeld die Veränderung des eingeengten Ressortdenkens der Verwaltungen und die Bürgerbeteiligung in der “Sozialen Stadt” hervor. Sie warnte aber, das Bauen nicht gegen das Soziale auszuspielen, denn es müsse weiter in die Infrastruktur investiert werden.

Auch aus dem Publikum kamen Vorschläge. Eine Quartiersmanagerin aus Marburg wies darauf hin, dass vor allem die geschaffenen Strukturen erhalten bleiben müssten. Die entstandene Kooperation z.B. von Sozial- und Jugendämtern und den lokalen Akteuren dürfe nicht unterbrochen werden. Wichtig seien auch die Begleitprogramme aus anderen Fördertöpfen, aus denen weitere Mittel in die Quartiere der Sozialen Stadt fließen.

Rainer Thies von der Bundesarbeitsgemeinschaft Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit (BAG) meinte, der Zusammenhalt in den Städten und Gemeinden werde daran zu messen sein, wieweit die Stadtteile nicht absacken. Es braucht dafür Prioritäten und Investitionsschwerpunkte. Auch bei der Ämterzusammenarbeit sei noch ganz viel zu tun und man solle die Altenhilfeträger, Sozialunternehmen usw. besser mit einzubeziehen.

Martin Kronauer, Professor für Gesellschaftswissenschaft an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin war für Hartmut Häussermann, den Berliner Vordenker der „Sozialen Stadt“ eingesprungen. Eine zukunftsorientierte Politik müsse sich den sozialen Herausforderungen in den Quartieren stellen, also sozialraumorientiert arbeiten. Das ungeheure Potential der hier entwickelten Integrierten Handlungskonzepte sollte auch genutzt werden, sie dienen dem vorausschauenden Handeln zugunsten des Stadtteils.

Viele Faktoren entscheiden dabei über Erfolg und Misserfolg. Ein Problem sei die soziale Isolation armer Haushalte, selbst wenn es insgesamt aufwärts gehe. Bürgerbeteiligung sei auch deshalb wichtig, weil viele Menschen, besonders Ärmere oder Migranten, sich machtlos fühlten. Eine besondere Bedeutung komme den Schulen zu. Schulpolitik mit Quartierspolitik zu verbinden, sei eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben. Im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ wurde sie noch zu wenig angegangen. Zuständigkeitsfragen erschwerten gerade an dieser Verbindungsstelle oft die notwendige Kooperation. Eine Politik, die sich den sozialen Herausforderungen in den Städten stellen will, müsse beim Quartier ansetzen, und zwar partizipativ, integrativ und präventiv.

Jörn Hermening, Quartiersmanager in Bremen-Tenever, beschrieb, wie sich das einst gefürchtete Neubaugebiet mittlerweile stabilisiert habe. Schon 1989 wurde in Bremen beschlossen, dass ressortübergreifend gearbeitet wird und dass die Bürger über Gelder mit entscheiden sollen. “Das Wunder von Tenever”, wie eine Zeitung titelte, führte zu besserer Wohnqualität, besseren Bildungs-, Beratungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten und auch zur Vollvermietung.

Dr. Christian Lieberknecht stellte für den GdW und das Bündnis Soziale Stadt eine neue Anzeigenkampagne vor. Damit wolle man Einfluss auf die Entscheider nehmen, weil diese Woche Haushaltsverhandlungen zum Thema „Städtebau“ stattfinden. Die Wohnungswirtschaft setzt sich stark für die „Soziale Stadt“ ein. „40 Millionen Euro werden den wachsenden Herausforderungen kaum gerecht. Neue Projekte werden mit diesen knapp bemessenen Bundesmitteln kaum noch möglich sein. Auch bedarf es dringend wieder einer Öffnung des Programms für nicht-investive Maßnahmen. Nur bauliche Investitionen im Quartier werden nicht reichen, um den sozialen Frieden in den Quartieren zu erhalten“, so Lieberknecht.

Der Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig forderte in seiner Abschlussrede weiter aktiven Städtebau zu fördern. Albig will nicht akzeptieren, dass nur noch eine passive Alimentierung benachteiligter Stadtteile über Sozialtransferleistungen stattfinden soll. Der Kieler Stadtteil Gaarden z.B. mit seinen 17.000 Einwohnern benötigt 50 Millionen Sozialtransfer-Leistungen pro Jahr. Die Kommunen müssen handlungsfähig bleiben und gezielt investieren können. “Was ich heute an Bildung spare, gebe ich morgen für Hartz IV aus“. Die geplante Kürzung sei umso unbegreiflicher, als aus Ramsauers Zahlen hervorgehe, dass die Städtebauförderung zu Mehreinnahmen führe: “Jede Million, die für die soziale Stadt eingesetzt wird, bringt dem Staat 1,6 Millionen Euro Steuern und 1,8 Millionen Euro Sozialversicherungseinnahmen zusätzlich”, sagte Albig.

In diesem Monat wird im Bundestag über die finanzielle Ausstattung der Städtebauförderung beraten. Im Angesicht großer europäischer Geldprobleme mag das nicht als nicht so wichtig erscheinen. Für den zukünftigen Zusammenhalt und die Chancen in den bisher geförderten Stadtteilen ist es aber ganz entscheidend, dass die sozialräumliche Zusammenarbeit und die ganzheitliche Förderung nicht aufgegeben sondern verstetigt werden.

Die Dokumentation der Konferenz finden Sie hier:
http://www.spdfraktion.de/cnt/rs/rs_dok/0,,58660,00.html

Text und Fotos: Anne Wispler

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Staatssekretärin Hella Dunger-Löper. Foto: Anne Wispler

Auf dem Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik in Kassel (12. – 13. Oktober) sagte die Berliner Staatssekretärin für Bauen und Wohnen, Hella Dunger-Löper:

“Stadtentwicklungspolitik muss ein zutiefst demokratischer und partizipativer Prozess sein, denn hier geht es um die direkte und unmittelbare Lebensumwelt der von den Entscheidungen betroffenen Menschen. Berlin ist hier sehr erfolgreich und dies ist der Grund, warum unsere Berliner Verfahren des Quartiersmanagements inzwischen weltweite Beachtung finden. Diese Strukturen wollen wir erhalten und ausbauen und deshalb setzt sich Berlin auch für die Wiederaufstockung der Bundesmittel für die Städtebauförderung ein.
Wenn die Bundesregierung es ernst meint mit der Städtebauförderung, hat sie unsere volle Unterstützung. Dann muss der zuständige Bundesminister Ramsauer die Kürzungen für 2012/2013 umgehend rückgängig machen. Diese Konferenz und die Feierlichkeiten zum vierzigjährigen Bestehen der Städtebauförderung bieten einen guten Anlass hierfür.”

Stadtentwicklung hat ganz viele Facetten, wie der Kongress zeigte. Das im Rahmen des Bund-Länder-Programms “Soziale Stadt” entwickelte Berliner Quartiersmanagement ist mit seinen aktivierenden Elementen, wie Quartiersmanagementteams, Quartiersräten oder Quartiersfonds, zu einem Markenzeichen geworden. Priorität hat in Berlin das Thema Bildung, damit insbesondere junge Menschen neue Perspektiven erhalten.

Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen sagte auf dem anschließenden Empfang der Stadt Kassel:
“Gerade weil in benachteiligten Stadtteilen verschiedene Aufgabenfelder parallel zu bearbeiten und unterschiedliche Interessenlagen und Nutzergruppen zu berücksichtigen und einzubeziehen sind, ist es vor diesem Hintergrund sehr schmerzlich, dass das vergleichsweise bescheiden ausgestattete Programm “Soziale Stadt” so massiv gekürzt wurde. Nutzen und Kosten stehen nach meiner Überzeugung in einem so sinnvollen Verhältnis, dass die Kürzungen in diesem Bereich wieder rückgängig gemacht werden sollten. Dies gilt für die Städtebauförderung insgesamt, weil sie mit ihrem Anreizsystem zusätzliche Investitionen und viele positive Effekte auslöst. Und nicht zu vergessen, bleiben etwa 90 Prozent der Aufträge in der Region.”

Auf der Homepage der Bundesregierung “www.nationale-stadtentwicklungspolitik.de” kann man derzeit ein nettes Imagefilmchen vom Kongress anschauen, das aber vor allem eines zeigt: Die Kommunen haben massive Probleme, Anworten darauf sind jedoch rar bis nicht vorhanden.

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Die Jahrestagung 2011 des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit möchte die Bereiche Stadtplanung und Soziales miteinander ins Gespräch bringen. Sie wird Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Methoden und Instrumenten herausarbeiten und die Bedingungen herausfinden, die trotz unterschiedlicher Wege zum gemeinsamen Ziel führen.

Die Jahrestagung Stadtteilarbeit 2011 wird veranstaltet vom Verband für sozial-kulturelle Arbeit vom 15. bis 16.11.2011 in Berlin-Tiergarten.
Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:

  1. Meinen wir alle dasselbe, wenn wir von einer sozialen Stadt sprechen? Wissen wir genug voneinander? Bauen die Förderprogramme aufeinander auf, ergänzen sie sich? Wer verfolgt welche Ziele und mit welchem Erfolg? Und welche Rolle spielen bei all dem die Bürger?
  2. Welchen Blick auf die Stadt, auf den Stadtteil hat der Stadtplaner, welchen der Sozialarbeiter und wie passt das alles zusammen? Brauchen wir mehr Geld, um dem Ziel einer sozialen Stadt näher zu kommen?

Das komplette Programm und die Anmeldung finden Sie unter: Jahrestagung des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit 2011

Der Teilnahmebeitrag (inklusive Verpflegung) beträgt 35,00 € für einen
Tag bzw. 60,00 € für beide Tage, für Mitgliedsorganisationen des
Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit 25,00 bzw. 40,00 €.

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Montag, 24.10.2011
12:00 Uhr  – 16:00 Uhr
Reichstagsgebäude SPD-Fraktionssaal 3S001, 3. Etage
Eingang Reichstag West (über Vorkontrollstelle Reichstag West)
Platz der Republik
11011 Berlin

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Städtebauförderung wurde 1971 von der Regierung Willy Brandt eingeführt. Seit inzwischen 40 Jahren leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Entwicklung der Städte und Gemeinden. Der Erhalt historischer Stadtkerne, die Belebung von Innenstädten sowie die Aufwertung sozialer Brennpunkte sind sichtbare Wirkungen. Daneben stößt sie in hohem Maße Investitionen an und refinanziert sich so nahezu allein über Steuereinnahmen.

Trotz dieser positiven Wirkungen hat die schwarz-gelbe Bundesregierung 2010 und 2011 die Bundesmittel für die Städtebauförderung drastisch gekürzt. Die Kürzungen treffen besonders das Programm “Soziale Stadt”, das zudem auf “investive Maßnahmen”, also bauliche Maßnahmen konzentriert wird.

Mit dem Haushalt 2012 droht eine erneute Kürzungsrunde. Union und FDP setzen damit die Erfolge der Städtebauförderung aufs Spiel: Maßnahmen müssen gestreckt werden oder laufen frühzeitig aus, ohne dass ihre Wirkungen gesichert sind. Die Weiterentwicklung von Städten und Kommunen gerät damit ins Stocken, regionale Ungleichheiten werden verschärft. Die Länderbauminister fordern zu Recht mehr Verlässlichkeit vom Bund. Ein breites Bündnis setzt sich für den Erhalt des Programms “Soziale Stadt” ein.

Wir möchten mit Ihnen über die Auswirkungen der Kürzungen, aber auch über Zukunftsperspektiven der Städtebauförderung zu diskutieren. Die SPD-Bundestagsfraktion will eine Vision für eine aktive Stadtpolitik des Bundes entwickeln, die den sozialen Zusammenhalt und die Qualität der Städte als Lebensort und Wirtschaftsstandort fördert und gleichzeitig den ökologischen Herausforderungen gerecht wird – und dabei die Bürgerinnen und Bürger aktiv an der Gestaltung des Lebensumfeldes beteiligt.

Wir laden Sie herzlich ein, dies gemeinsam mit uns zu tun!

Ihre SPD-Bundestagsfraktion

Bernd Scheelen, MdB
Sprecher der Arbeitsgruppe Kommunales der SPD-Bundestagsfraktion

Sören Bartol, MdB
Stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion

 

- Mehr zum Programmablauf, Hinweise zum Tagungsort und die Möglichkeit, sich gleich online anzumelden, finden Sie auf den Internetseiten der SPD-Bundestagsfraktion.

Online-Anmeldung ist bis 14.10.2011 möglich.

 

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